Wie derzeit in der Medienbranche Lohn- und Honorardumping betrieben wird, offenbart die "Stellenanzeige" der  Online-Redaktion der ehemals linksliberal genannten Frankfurter Rundschau, die am Donnerstag, 6. September 2007, über die Journalisten-Mailingliste Jonet geschickt wurde.

FR-Online.deFür ein Brutto-Stundenhonorar von 10 bis 15 Euro von dem die werden darin "auf Basis freier Mitarbeit" (also ohne die Arbeitgeber-Sozialleistungen) Online-Redakteure gesucht, die sich in Schichtarbeit in der Frankfurter Redaktion einfinden sollen. In seiner Begleitmail gibt der Redaktionsleiter Sebastian Holzapfel zwar zu, dass das Angebot finanziell nur für Studenten und Berufsanfänger geeignet sein dürfte. Nichtsdestoweniger erwartet er aber von den Bewerbern Fähigkeiten, die denen eines / einer gestandenen Online-Journalisten / -Journalistin würdig sind.

 

Die scheinselbstständigen*) Online-RedakteurInnen sollen leisten:

"- Pflege und Aktualisierung des Online-Auftritts der "Frankfurter Rundschau"
- Recherche, Auswahl, Gewichtung und onlinespezifische Umsetzung von Themen nach journalistischen Standards
- Scannen von Nachrichtenagenturen sowie Websites von Behörden, Unternehmen und anderer Medien
- Übernahme von Zeitungsinhalten, onlinegerechte Aufbereitung und Einbindung in die aktuelle Onlineberichterstattung
- Anfertigen von Fotostrecken zu aktuellen und zeitlosen Themen
- Technische Einbindung von Videos, Votings etc. über ein CMS
- Pflege von Community-Bereichen wie Foren und Blogs"

Die Aspiranten sollen mitbringen: 

"Ihr Profil
- Studium Journalistik oder verwandter Fächer, möglichst mit Schwerpunkt Online-Journalismus
- Praktische Erfahrungen in Online- oder Nachrichtenredaktion
- Sehr gute Allgemeinbildung, breites Interessenspektrum, Fähigkeit zur Einordnung
- Grundkenntnisse der Webtechniken von Vorteil (HTML, Video, Flash, Podcast-Produktion)
- Kenntnisse in Bildbearbeitung (Photoshop)
- Kommunikativ und teamfähig
- Zeitliche Flexibilität (Bereitschaft zur Arbeit im Schichtsystem zwischen 7 und 23 Uhr und an Wochenenden)
- Einsatzort Frankfurt/Main"

Von einem Studium mit dem Berufsziel Journalistik kann unter diesen allerorten einreißenden Bedingungen nur abgeraten werden. Wenn man berücksichtigt, dass für die Tätigkeit Freiberufler gesucht werden, so liegt deren Bezahlung nur knapp über dem derzeit geforderten Mindestlohn von 7,50 Euro. Der aber lässt sich in Frankfurt auch ohne Journalistik-Studium plus zahlreiche Zusatzkenntnisse in einem Job für Ungelernte erzielen. Etwa als Klopächter,  Nachtwächter oder Thekenkraft . 

Vor wenigen Monaten hat die Frankfurter Rundschau noch in großem Umfang Stellen abgebaut und Beschäftigte in eine Auffanggesellschaft geschickt. Was keineswegs heißt, dass für die Menschen aus den gesicherten Beschäftigungsverhältnissen keine sinnvollen Aufgaben mehr da gewesen werden, wie die Billighuber-Anzeige der Online-Redaktion jetzt zeigt. 

An die Bitte von Online-Chef Sebastian Holzapfel, das Dumpingangebot auf der jonet-Mailingliste nicht zu kommentieren ("Wer mit den Bedingungen nicht einverstanden ist, bitte das Angebot einfach ignorieren.") haben sich die jonet-Mitglieder gehalten, zumindest bis zum Freitagnachmittag.  

 *)  Scheinselbstständig sind Selbstständige, die nur scheinbar selbstständig sind. Ob sie im rechtlichen Sinne sich auf eine Stelle einklagen könnten, ist damit - leider - noch nicht gesagt. Das Risiko hat der Verlag aber.